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Offener Brief: VHS Friedrichshain-Kreuzberg: Skandalöse Zustände im Deutschbereich. Noch keine Kurse für Herbst geplant/ Dozent*innen über Monate ohne Einnahmen!

Sehr geehrter Herr Regierender Bürgermeister Müller,
sehr geehrte Frau Senatorin Scheeres,
sehr geehrte Frau Senatorin Breitenbach,

wir möchten Sie über skandalöse Zustände im Deutschbereich an der Volkshochschule Friedrichshain-Kreuzberg (FK) informieren und bitten Sie um Unterstützung. Obwohl an anderen Berliner Volkshochschulen bereits Anfang Juli neue Kurse – mit Coronaregeln – gestartet sind, liegt der wichtige Deutschbereich, der sonst weit mehr über die Hälfte der Unterrichtstunden ausmacht, an der VHS FK brach. Wir Dozent*innen befürchten, dass die Krise noch Monate dauern wird. Das bedeutet: keine neuen Kurse im Bereich Integration und kein Geld für die freiberuflichen Lehrkräfte.

Die betroffenen Kolleg*innen haben sich bereits an ihre Bezirkspolitiker*innen gewandt. Aber auf Bezirksebene ist keine Lösung in Sicht.

Die meisten Berliner Volkshochschulen bieten nach der Corona-Schließung seit dem 1. Juni wieder Sprachberatungen, Niveau-Einstufungen und Anmeldungen in Präsenz an. An der VHS Friedrichshain- Kreuzberg finden hingegen im Deutschbereich bis Ende August keine Anmeldungen und Einstufungen statt. Betroffen sind alle neuen Deutschkurse, die bundesfinanzierten Integrationskurse und auch Deutschkurse für Eltern und Geflüchtete und andere Angebote – sowie ca. 80 Kursleitende.

Den Dozent*innen gegenüber wird die Verschiebung mit der personellen Situation im Deutschbereich begründet. Die Programmbereichsleiterin ist seit Mitte Juni abwesend. Außerdem gab es Kündigungen und Krankmeldungen beim angestellten Büropersonal.  Vertretungslösungen sind nicht vorgesehen.

Eine Kursplanung für das Herbstsemester gibt es nicht. In der Praxis bedeutet das, dass viele Kurse auch Anfang September noch nicht beginnen können. Denn hierfür ist ein zeitlicher Vorlauf mit Einstufungstests und individueller Beratung von mehreren Wochen nötig, um die Kurse zu füllen.

  • Damit stehen die Dozent*innen, die pandemiebedingt bis Ende Juni Ersatzzahlungen bekommen haben, ab 1. Juli bis auf Weiteres ohne Einkommen da.
  • Die Teilnehmer*innen haben keine Kursangebote mehr in ihrem Stadtteil. Migrant*innen können hier nicht Deutsch lernen.
  • Der VHS FK entgehen die Drittmittel durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) für die Integrationskurse.
  • Auch der Bezirk FK wird künftig mit weniger finanziellen Zuteilungen vom Senat rechnen müssen, wenn die Unterrichtseinheiten in der VHS 2020 reduziert werden.

Von der längerfristigen Aussetzung der Kurse sollten zunächst sogar die noch vor der Pandemie begonnenen und am 14. März lediglich unterbrochenen Integrations- und Berufssprachkurse des BAMF betroffen sein. Dementsprechend wurden Teilnehmer*innen und Dozent*innen informiert. Erst nach Drängen der Dozent*innen finden diese Restkurse derzeit doch statt. Allerdings nur noch mit sehr wenigen Teilnehmer*innen. Viele Teilnehmende, so berichten Kursleiter*innen, sind der Vertröstungen und Terminverschiebungen überdrüssig. Sie lernen anderswo weiter oder gar nicht.

Die Dozent*innen aus FK haben der VHS-Leitung ihre Unterstützung angeboten. Eine Antwort darauf bekamen sie nicht. Auch die Bitte nach einer Konferenz wurde abschlägig beschieden.

 

Darüber hinaus gibt es folgende Probleme:

1. Arbeitsplatzabbau

Coronabedingt dürfen wegen der Abstandregeln nur deutlich weniger Teilnehmende in einem Unterrichtsraum anwesend sein. Viele Volkshochschulen haben daher ihre Kurse verkleinert, so dass ein*e Dozent*in gegenüber früher weniger Lernende betreut. Die VHS Friedrichshain-Kreuzberg will hingegen in Integrationskursen eine*n Kursleitende*n dazu verpflichten, in zwei Räumen gleichzeitig einen großen Kurs zu unterrichten. Aufgrund des begrenzten Raumangebots befürchten wir einen Arbeitsplatzabbau im Präsenzunterricht.

2. Verzichtserklärung

Wie rüde der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg mit Kursleitenden in der Corona-Krise umgeht, zeigt sich auch an einem neuen Passus in den Honorarverträgen seit Mitte Juli. Die Dozent*innen müssen unterschreiben, es werde grundsätzlich kein Honorar oder Ausfallhonorar fällig, „wenn die jeweils gültige SARS-COV-2-Eindämmungsverordnung den Präsenzunterricht (am Tag eines Kurses/Unterrichts) verbieten bzw. nicht zulassen“. Mit anderen Worten: Selbst wenn der Finanzsenator, wie vom 14. März bis 30. Juni geschehen, ermöglicht, dass die Dozent*innen Ausfallzahlungen erhalten können oder das BAMF Ausfallmittel durch SodEG (Sozialdienstleister-Einsatzgesetz) bereitstellt, gehen die Dozent*innen in Friedrichshain-Kreuzberg leer aus. Eine solche Verzichtserklärung wird nur von dieser Berliner VHS verlangt.

3. Arbeitsklima
Zudem belastet ein Arbeitsklima der Angst den Deutschbereich. 2019 wurde eine Deutschkollegin in FK nach 27-jähriger Tätigkeit von heute auf morgen per E-Mail ohne ein Gesprächsangebot rausgeworfen. Vorausgegangen war eine Meinungsverschiedenheit mit dem damaligen Programmbereichsleiter und jetzigen VHS-Direktor. Gute Kommunikation, die früher mit anderem Leitungspersonal möglich war, findet nicht mehr statt. Da Dozent*innen auch nach jahrelanger Beschäftigung immer nur kurzfristige Honorarverträge für Wochen erhalten, sind sie vom Wohlwollen der VHS-Führungskräfte abhängig.

Das Motto an der VHS Friedrichshain-Kreuzberg lautet: Friss oder stirb. „Verbindliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit ist uns wichtig“, heißt es im Leitbild der Berliner Volkshochschulen. Nur Sonntagsreden in diesem Fall.

Und jetzt droht dazu Kursleitenden wegen schlechten Managements ein monatelanger Einkommensausfall oder sogar der Verlust der Erwerbsgrundlage.

Wertschätzung von langjährig freiberuflichen Mitarbeiter*innen und Solidarität in einer alle Menschen beängstigenden Pandemie sehen anders aus.

 

Das Verhalten des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg steht der Absicht der Berliner Regierung diametral entgegen. Sie hat sich im Regierungsprogramm für eine bessere soziale Absicherung der Volkshochschuldozent*innen ausgesprochen. Dieses Anliegen wurde vom Berliner Abgeordnetenhaus in dem Beschluss „Mehr soziale Sicherheit für VHS-Dozent*innen“ am 04.06.2020 bekräftigt. Bitte setzen Sie sich dafür ein, dass die Volkshochschule Friedrichshain-Kreuzberg bald wieder zu einer Institution wird, die ihren öffentlichen Auftrag in der Erwachsenenbildung erfüllt.

Wir wollen eine VHS, die ausreichende Kursangebote im Bezirk anbietet und die fair mit angestellten und freiberuflichen Mitarbeiter*innen umgeht.

 

Mit freundlichen Grüßen

Berliner VHS-Dozent*innen-Vertretung
i. A. Linda Guzzetti, Dieter Hartmann, Mira Köller, Beate Strenge
unterstützt von André Pollmann, ver.di Berlin-Brandenburg, Fachbereich Bildung, Wissenschaft, Forschung
T: +49 30 8866 – 5304 – andre.pollmann@verdi.de

 

Fotostrecke und Bericht zu unserer Unterrichtsstunde für den Berliner Finanzsenator

Am Freitag, dem 29. März 2019, gaben ca. 50 VHS-Dozent*innen und Musikschullehrkräfte mit ihren Instrumenten dem Finanzsenator eine Unterrichtsstunde unter seinem Bürofenster in der Klosterstraße.

Ziel der Aktion ist der Umsetzung der Forderung „Tarifvertrag für freie Mitarbeiter/innen an den Berliner Musikschulen und Volkshochschulen“ Nachdruck zu verleihen. Die Zusage für diese Tarifverträge und damit die Verbesserung der sozialen Lage der Berliner Musikschullehrkräfte und VHS-Dozent*innen erfolgte bereits 2017 in der vom Abgeordnetenhaus beschlossenen Richtlinie zur Berliner Regierungspolitik für die laufende Legislaturperiode. Dies wurde aber bis heute nicht umgesetzt. Die dazu notwendige Verhandlungsaufnahme wurde der Gewerkschaft ver.di mehrfach verweigert. ver.di fordert für die VHS-Dozent*innen weitere spürbare Honorarerhöhung und Vereinbarungen zur Verbesserung der sozialen Lage für die ca. 3.000 VHS-Dozent*innen. Ab heute wird jetzt in regelmäßigen Abständen am Freitag von 10.00 bis 10.45 Uhr dem Finanzsenator eine Unterrichtsstunde erteilt. Die nächsten Termine sind der 12. April und 3. Mai 2019.

Fotos: Christian v. Polentz, transit.fotografie und reportage

“Dem Senat den Marsch blasen!”: Fotos von der Kundgebung am 4. Mai 2018

Die Berliner Musikschullehrer*innen und VHS-Dozent*innen forderten Finanzsenator Kollatz-Ahnen (SPD) am 4. Mai 2018 in einer Kundgebung auf, in seiner Funktion als TdL-Vorsitzender endlich den Weg für Tarifverhandlungen zu eröffnen.

Einige Impressionen von der Kundgebung gibt es unten in unserer Bildergalerie. 

(Fotos: Christian v. Polentz/transit. fotografie und reportage)

Weltlehrertag 2017 – Prekäre Arbeit im öffentlichen Auftrag muss beendet werden

Anlässlich des Weltlehrertages haben heute 70 Honorarlehrkräfte vor dem Brandenburger Tor demonstriert. „Bei Wasser und Brot“ wiesen die Lehrkräfte an Musikschulen, Volkshochschulen, in Sprach- und Integrationskursen und an Hochschulen auf ihre prekären Arbeitsverhältnisse hin.

„Wir wollen nicht länger wie Lehrkräfte zweiter Klasse behandelt werden“ sagte Linda Guzzetti, Sprachlehrbeauftragte und Sprecherin des Bündnisses der Honorarlehrkräfte. „Wir fordern eine Entlohnung analog zu der Bezahlung fest angestellter Lehrkräfte.“

Beate Strenge, VHS-Dozent*innensprecherin betonte: „Es kann nicht angehen, dass an den Berliner Volkshochschulen gleiche Arbeit ungleich vergütet wird. Alle akademischen Lehrkräfte müssen ab Januar 2018 mindestens  35 Euro zuzüglich der Sozialzuschläge für eine Unterrichtseinheit bekommen. So wie es bereits in den bundesfinanzierten Integrationskursen an der VHS der Fall ist – nicht aber in den vielen anderen Deutschkursen oder in Fremdsprachenkursen, in denen wir nach dem Berliner VHS-Honorar etwa 20 Prozent weniger verdienen. Der Senat muss endlich rot-rot-grüne Farbe bekennen und – wie angekündigt – unsere Honorare erhöhen. Wir können nicht auf den nächsten Doppelhaushalt 2020/21 warten.“

In einer Erklärung wiesen die Dozent*innen darauf hin, dass sie im besten Fall halb so viel verdienen wie fest angestellte Lehrkräfte mit vergleichbarer Tätigkeit. Nach 30 Jahren Vollzeitarbeit erwartet eine Honorarlehrkraft eine Rente von rund 600 Euro im Monat. Honorarbeschäftigte bekommen außerhalb von VHS und Musikschulen keine Arbeitgeberzuschüsse zur Krankenversicherung und zur Rentenversicherung. Auch gegen Lohnausfälle durch Krankheit sind sie meist nicht abgesichert.

„Es muss endlich Schluss sein mit prekärer Arbeit im öffentlichen Auftrag. Deshalb erwarten wir vom Senat, dass er für die Musikschulen und Volkshochschulen die in Aussicht gestellten Tarifverhandlungen möglich macht“, forderte André Pollmann, ver.di-Landesfachbereichsleiter Bildung, Wissenschaft und Forschung.

Susanne Stumpenhusen, Vorsitzende von ver.di Berlin-Brandenburg, sagte:„Honorarlehrkräfte sollten im Regelfall fest angestellt werden. Zumindest muss das Honorar äquivalent zur Entlohnung fest angestellter Lehrkräfte sein.“ Dazu muss der Senat die notwendigen Mittel bereit stellen und entsprechend auf die Hochschulen sowie auf die Bezirke, die Träger der Musikschulen und Volkshochschulen sind, einwirken. Auch das Bundesministerium des Inneren als Auftraggeber der Integrationskurse für Migrant_innen sehen die Gewerkschaften weiter in der Pflicht.

Hintergrund:

Der Weltlehrertag wird jedes Jahr am 5.Oktober begangen und erinnert an die „Charta zum Status der Lehrerinnen und Lehrer“, die 1964 von der UNESCO beschlossen wurde. Die Charta sieht vor, dass alle Lehrkräfte die gleiche oder eine gleichwertige soziale Absicherung genießen sollen, unabhängig von der Art der Schulen oder Kurse, in denen sie unterrichten.

Zur Aktion am heutigen Weltlehrertag hat die Koordination der Berliner Honorarlehrkräfte – mit Unterstützung von ver.di Berlin-Brandenburg, GEW BERLIN und Deutsche Orchester-Vereinigung (DOV) aufgerufen: https://www.vhs-tarifvertrag.de/wordpress/wp-content/uploads/Weltlehrertag_2017_Web.pdf

In der Koordination der Berliner Honorarlehrkräfte sind vertreten: AG Lehrbeauftragte der GEW BERLIN, die Berliner VHS-Dozent*innen-Vertretung, die Bundeskonferenz der Sprachlehrbeauftragten (BKSL), das Bündnis Daf/DaZ-Lehrkräfte, die Dozent*innen der Freien Träger und Freie am Goethe-Institut, die Landeslehrervertretung der Berliner Musikschulen sowie die ver.di-Fachgruppe Musik.

[Presseerklärung] Weltlehrertag, 05.10.2017 Prekäre Arbeit im öffentlichen Auftrag muss beendet werden Anlässlich des Weltlehrertages haben heute 70 Honorarlehrkräfte vor dem Brandenburger Tor demonstriert. „Bei Wasser und Brot“ wiesen die Lehrkräfte an Musikschulen, Volkshochschulen, in Sprach- und Integrationskursen und an Hochschulen auf ihre prekären Arbeitsverhältnisse hin.

https://bb.verdi.de/presse/pressemitteilungen/++co++ae213ab2-a9bf-11e7-9e23-52540066e5a9

[Interview] Junge Welt, 05.10.2017

Große Diskrepanzen zwischen den Ländern – Honorarlehrkräfte fordern Verbesserungen der Arbeitsbedingungen von Dozenten. Gespräch mit André Pollmann https://www.jungewelt.de/m/artikel/319418.große-diskrepanzen-zwischen-den-ländern.html

[Aufruf und Programmatik] Der gewerkschaftliche Aufruf zum Weltlehrertag, mit weiteren interessanten Details:

https://www.vhs-tarifvertrag.de/wordpress/wp-content/uploads/Weltlehrertag_2017_Web.pdf

Umfrage der VHS-Dozent*innen – Ergebnisse

95 % der Dozent*innen sind für einen VHS-Tarifvertrag!

279 VHS-Dozent*innen haben sich an der VHS-Tarif-Umfrage beteiligt. Vielen Dank!
95 % vertrauen ver.di (den Gewerkschaften) und beauftragen sie, Tarifverhandlungen zu führen. Ein klares Ergebnis.

Top. 1:Die Erhöhung der Honorare bekam die meisten Punkte bei der Priorisierung der neun Tarifziele. Die von uns vorgeschlagene Sofortmaßnahme 35 Euro pro Unterrichtseinheit für alle halten 243 Dozent*innen für besonders wichtig. Mit der Sofortmaßnahme soll aber nicht Schluss sein: 247 Dozent*innen wollen ein Honorar entsprechend dem Tarifniveau des Landes Berlin (TV-L Berlin) für vergleichbare Beschäftigte (z.B. im Sprachbereich der Entgeltgruppe 11, ca. 60 Euro pro UE).

Top. 2 ist die «Option auf Festanstellung» – allerdings mit deutlich weniger Punkten.

Hier findet Ihr alle Diagramme der Auswertung unserer Befragung vom Februar und März 2017.

Aktion am 2. November 2016: „Der Spuk ist noch nicht vorbei“

200 Personen nahmen unter dem Motto “Der Spuk ist noch nicht vorbei” an der Kundgebung vor dem Roten Rathaus teil.

Mit dieser Kundgebung von ver.di und GEW erinnern die prekär Beschäftigten die für Einrichtungen von Wissenschaft und Bildung die Teilnehmer*innen der Koalitionsverhandlungen an ihre Wahlversprechen. Alle aktuell verhandelnden Parteien hatten sich im Wahlkampf für einen Abbau von prekärer Beschäftigung und tariffreien Zonen im Land Berlin ausgesprochen.

5. Oktober 2016: Fotos und Berichte

Aktion und Infoblattverteilung vor dem SPD-Landesparteitag am 14.11.2015

Aktive von ver.di und der GEW haben am SPD-Landesparteitag am 14.11. in Berlin Material verteilt, um auf die prekäre Situation der Honorarlehrkräfte und vieler anderer im Verantwortungsbereich des Landes Berlin beschäftigter Menschen aufmerksam zu machen. Das ausführliche Infoblatt zum Anlass des Parteitages finden Sie hier. Und in unserer Bildergalerie gibt es einige Impressionen der Aktion (© Bilder: Christian v. Polentz).




Aktion gegen die Unterbezahlung von Honorarlehrkräften

Die Berliner VHS-DozentInnen trugen ihre Forderungen auf die Straße.

Europa: Kontinent der Mehrsprachigkeit, der Integration durch Sprachen, des Rechts auf Bildung. Doch Lehrkräfte, die Tag für Tag an Volkshochschulen für diese Ziele der EU arbeiten, werden dramatisch unterbezahlt.

Derzeit erhalten VHS-Lehrkräfte 26,11 Euro und die hauptberuflichen arbeitnehmerähnlichen VHSDozent*innen 32,95 Euro pro Unterrichtseinheit. Das entspricht mit Vor- und Nachbereitung 1,5 Zeitstunden.
Was aus dem ersten Blick viel aussieht, ist nach Abzug von Sozialversicherung und Einkommensteuer wenig. Als rentenversicherungspflichtige Selbständige zahlen wir sowohl den Arbeitgeber- als auch den Arbeitnehmeranteil für Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung.

So beträgt die Belastung für das Bruttohonorar ca. 47 %. Nach Abzügen verdienen VHS-Dozent*innen bei Vollzeit ca. 1300 Euro pro Monat. Rente nach 35 Vollzeitarbeitsjahren: zwischen 400 und 700 Euro pro
Monat. Die Volkshochschulen stellen eine Bereicherung für die Bildungslandschaft der Hauptstadt dar. Ihre Lehrkräfte ermöglichen ein breites und hochwertiges Programm. Ohne sie wäre das nicht möglich.

Die DozentInnen riefen den Berliner Senat und alle Berliner PolitikerInnen dazu auf, ihre Arbeit endlich finanziell wertzuschätzen. Sie forderten Festanstellung – oder bei Freiberuflichkeit ein Honorar
von 60 Euro pro Unterrichtseinheit. Und einen Tarifvertrag.

(Fotos: Christian v. Polentz)

Lesen Sie weiter in unserem Aktionsflyer.

Integrationskurse haben eine immer höhere Bedeutung. Leider spiegelt sich das in der Bezahlung nicht wider.
VHS-DozentInnen droht nach gegenwärtigem Stand Altersarmut.
Dem wollen die DozentInnen nicht tatenlos entgegensehen.
Das öffentliche Problembewusstsein für die Prekarität ihrer Beschäftigung steigt mit jeder Aktion.

Aktionsaufruf: Alle reden über Integration – keiner redet über uns

Liebe Kolleg_innen, es ist mal wieder Zeit für Äktschen. 10 Jahre Integrationskurse 2015 bieten einen guten Anlass, nicht mitzufeiern, sondern auf unsere Situation hinzuweisen, zumal Integration in aller Munde ist. Wir wollen protestieren: gegen Unterbezahlung und Altersarmut im öffentlichen Auftrag für unsere qualifizierte Arbeit. Und wir haben es satt, dass wir offenbar kein Thema in der Politik sind.

Wir laden euch zunächst zu einer Aktion vor folgender Veranstaltung ein:

10 Jahre Integrationskurse – Bilanz und Perspektiven

Veranstalter: GEW Bund, Deutscher Volkshochschulverband (DVV), Bundesverband Beruflicher Bildung (BBB) – DGB-Haus Berlin, Keithstraße 1+3

Aktionstreffpunkt: Mittwoch 17.6.2015 – 9.15 bis 10.30 Uhr und 15.00 bis 17.00 Uhr
DGB-Haus, Keithstraße 1+3, an beiden Eingängen
10787 Berlin – U-Wittenbergplatz

Geladen sind 110 Gäste aus Politik und Gesellschaft, z. T. hochkarätige Besetzung (Rita Süssmuth, DVV-Präsidentin, Aydan Özoguz, Migrations-Staatsministerin), dazu Expert_innen und Bundestagsabgeordnete (Podiumsdiskussion). Beate Strenge und Sabine Heurs von der Berlin VHS-Dozent_innenvertretung werden als Rednerinnen für die Deutsch-Integrationslehrkräfte dabei sein.

Wir werden alt oder arm verkleidet erscheinen. MACHT MIT! Mit oder ohne Verkleidung. Wir verteilen eine neue Aktionspostkarte zur Altersarmut und ein Infoblatt mit Unterstützung von Ver.di und GEW BERLIN. Wir bringen Transparente mit.

Wenn ihr Deutsch-Dozent-innen an privaten Trägern kennt, leitet den
Aktionsaufruf bitte weiter, gern auch unsere E-Mail-Kontakte.

Unsere Forderungen für die etwa 22 000 Deutsch-Lehrkräfte in Integrationskursen

Bezahlung wie Berufsschul-Lehrer_innen.

– Option auf Festanstellung oder arbeitnehmerähnlichen Status
– im arbeitnehmerähnlichen Status: 60 Euro pro Unterrichtseinheit plus
– Arbeitgeberanteil direkt an die Sozialversicherung
– 100 % Ausfallzahlung bei Krankheit
– Einkommenserhöhung wie im Öffentlichen Dienst
– Rente deutlich über der Grundsicherung (Lehrer_innenniveau)
– Tarifvertrag

Herzliche Grüße

Berliner VHS-Dozent-innen-Vertretung,
VHS-Doz.-Arbeitskreis

Kontakt: dozvertretung-vhs-berlin@gmx.de

Aktionspostkarte Altersarmut