{"id":1745,"date":"2021-01-11T16:14:38","date_gmt":"2021-01-11T14:14:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vhs-tarifvertrag.de\/wordpress\/?p=1745"},"modified":"2021-01-16T20:21:56","modified_gmt":"2021-01-16T18:21:56","slug":"aktion-soziale-absicherung-fuer-vhs-dozentinnen-1-2021-oe-toene-nutzung-fuer-soziale-medien-und-pe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vhs-tarifvertrag.de\/wordpress\/?p=1745","title":{"rendered":"\u00d6-T\u00f6ne: Nutzung f\u00fcr Soziale Medien und PE"},"content":{"rendered":"<ul>\n<li>\n<h3><a href=\"https:\/\/www.vhs-tarifvertrag.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/\u00d6ffentliche-O-T\u00f6ne.pdf\">Die folgenden O-T\u00f6ne als PDF zum Download<\/a><\/h3>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Aktion Soziale Absicherung f\u00fcr VHS-Dozent*innen 1\/2021<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00d6-T\u00f6ne: Nutzung f\u00fcr Soziale Medien und PE<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die folgenden Zitate stammen nur von arbeitnehmer\u00e4hnlichen Berliner VHS-Dozent*innen, die von dieser Arbeit haupts\u00e4chlich leben.<\/strong><\/p>\n<p>Wir widmen uns in der Aktion &#8222;Soziale Absicherung f\u00fcr VHS-Dozent*innen&#8220; drei Themen<\/p>\n<ol>\n<li>Krankheit<\/li>\n<li>Prek\u00e4re Besch\u00e4ftigung\/ Angst\/ Willk\u00fcr<\/li>\n<li>Familie<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>Das war unser vorgeschlagener Rahmentext f\u00fcr die Protestmails:<\/strong><\/p>\n<p>\u201eObwohl ich seit vielen Jahren f\u00fcr die VHS arbeite, erhalte ich immer nur kurzfristige Honorarvertr\u00e4ge von wenigen Wochen und kann jederzeit meine Arbeit, meine Kurse verlieren \u2013 ohne Ausgleichszahlung oder Arbeitslosengeld.<\/p>\n<p>Das bedeutet f\u00fcr mich pers\u00f6nlich: &#8230;\u201c<\/p>\n<p><strong>Vorweg: Thema Stellenwert der Arbeit, Ausbildung und Qualifikation<\/strong><\/p>\n<p>+ &#8222;Bald werde ich meinen Masterabschluss im Fach &#8222;Deutsch als Fremd- und Fachsprache&#8220; der TU Berlin erhalten. Doch aufgrund der katastrophalen sozialen Lage von VHS-Dozent*innen sehe ich zurzeit keine M\u00f6glichkeit, in diesem Beruf zu arbeiten. Ich habe Baf\u00f6G-Schulden aus dem Studium, die ich mit dem geringen und auch sehr unsicheren Gehalt nicht abbezahlen kann. Ebenso denke ich dar\u00fcber nach, eine Familie zu gr\u00fcnden, aber auch diesen Schritt w\u00fcrde ich nicht gehen, wenn ich als selbstst\u00e4ndige VHS-Dozentin arbeiten w\u00fcrde; es gibt keinerlei Regelungen zum Mutterschutz.<\/p>\n<p>Ich bin zutiefst traurig, dass ich mich gezwungen sehe, meinen Traumberuf nicht auszu\u00fcben, weil der politische Wille fehlt, die soziale Lage der VHS-Dozent*innen zu verbessern.&#8220;<\/p>\n<p>(Frau, unter 30. Daf\/DaZ. 6 Monate VHS und mehrfach w\u00e4hrend des Studiums)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>+ &#8222;Unsere Leistungen als VHS-Dozent*innen in der Erwachsenenbildung sind f\u00fcr die Gesellschaft sehr wertvoll. Im Januar diesen Jahres haben wir 100 Jahre Berliner Volkshochschulen entsprechend mit einer Feier im Roten Rathaus gew\u00fcrdigt.<\/p>\n<p>Ich habe eine fundierte Ausbildung mit langj\u00e4hriger und vielseitiger Berufserfahrung im kreativen und p\u00e4dagogischen Bereich.&nbsp;Ich bitte sehr darum, dass meine Qualifikation und die hohe Qualit\u00e4t meiner Arbeit f\u00fcr das Land Berlin wertgesch\u00e4tzt wird und dass sich das auch in der sozialen Absicherung widerspiegelt.&#8220; (Dozentin, Nr. 22, Kultur)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>+ &#8222;Ich mache meine Arbeit gerne, aus \u00dcberzeugung. Aus eigener Auslandserfahrung wei\u00df ich, wie wichtig das Erlernen einer Sprache f\u00fcr das Ankommen in einem neuen Land ist. Ich habe mich bewusst daf\u00fcr entschieden Erwachsene zu unterrichten und keine Kinder. Ich habe Arbeitserfahrung in anderen Bereichen innerhalb und au\u00dferhalb der Bildungsbranche im Inland und dem europ\u00e4ischen Ausland, einen Masterabschluss und zwei Ausbildungen.<\/p>\n<p>Man sollte meinen, dass das in diesem Land genug w\u00e4re f\u00fcr finanzielle und soziale Absicherung, aber anscheinend ist dem nicht so. Wenn man nicht so richtig in eine der deutschen Schubladen passt, mit linearem Lebenslauf und dem einzig einen Karriereziel, hat man wohl schon den ersten Fehler gemacht. In einem humanistischen Bereich zu arbeiten ist der n\u00e4chste Fehler. Dann noch ganz klischeehaft als weibliche Lehrkraft und dann noch alleinerziehend. Damit ist man praktisch dem sozialen Abstieg geweiht. Das ist zumindest das, was ich in den letzten Jahren gelernt habe.&#8220;&nbsp;<\/p>\n<p>(Dozentin, Nr. 24, Frau, Daf\/DaZ, ca. 5 Jahre an der VHS)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li><strong> THEMA: Krankheit:&nbsp;<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>+ &#8222;Ich habe ein Germanistik- und Romanistikstudium abgeschlossen und diverse l\u00e4ngere Fortbildungen im Bereich Sonderp\u00e4dagodik, Deutsch als Fremdsprache und Integrationskurse besucht. Unsere prek\u00e4re Situation mitsamt der Angst, eventuell keine Vertragsverl\u00e4ngerung zu bekommen, f\u00fchrt dazu, dass ich Anfang des Jahres nach einem Unfall nicht den Mut hatte, eine ReHa Zeit zu nehmen und eine solche rechtzeitig zu besuchen. In den Herbstferien tat ich es dann versp\u00e4tet. So habe ich monatelang damit gez\u00f6gert und jetzt bleibende Sch\u00e4den&#8230; Eine erneute OP w\u00fcrde anstehen, geht Corona bedingt nicht und Angst vor Arbeitsverlust begleitet auch sp\u00e4tere M\u00f6glichkeiten.&nbsp; (..)<\/p>\n<p>Ich liebe meine Arbeit, aber mit \u00fcber 65 gezwungen zu sein, dieses Risiko auf mich zu nehmen, empfinde ich als unw\u00fcrdig f\u00fcr einen \u201eSozialstaat\u201c, f\u00fcr den ich engagiert gearbeitet habe und arbeite.&#8220;&nbsp;<\/p>\n<p>(Dozentin, Nr. 8, ca. 65 + Jahre, Daf\/DaZ, jahrelang an der VHS )&nbsp;<\/p>\n<p>+ \u201eDas hei\u00dft f\u00fcr mich ganz pers\u00f6nlich, dass ich keinerlei berufliche Sicherheit habe.&nbsp;Das ist ein Zustand, den ich als hochqualifizierte Akademikerin jeden Tag aushalte. Ich bin so gut wie nie krank und habe trotzdem Angst, dass ich bei einer eventuellen Erkrankung, sei es durch einen Unfall oder eine ben\u00f6tigte Kur, Reha, keine Eink\u00fcnfte erhalten werde.&nbsp;Ich bin der Ansicht, dass ich eine wertvolle und wichtige Arbeit leiste, leider wird diese m. E. von der Politik kaum wahrgenommen und wenig wertgesch\u00e4tzt. Gerade in diesen Zeiten sind unsere Kurse ein wichtiger Baustein f\u00fcr das friedliche Leben einer multikulturellen Gesellschaft hier in Berlin.&#8220;&nbsp;<\/p>\n<p>(Dozentin, Daf\/DaZ,&nbsp; 50 + Jahre, Nr. 12)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>+ &#8220; Das hei\u00dft f\u00fcr mich ganz pers\u00f6nlich z. B., dass bei einer Erkrankung oder einer OP mit l\u00e4ngerer Reha-Zeit meine Weiterbesch\u00e4ftigung danach v\u00f6llig ungesichert ist. Ganz allgemein bin ich der Meinung, dass die soziale Absicherung meiner T\u00e4tigkeit f\u00fcr das Land Berlin auch meinem Status als arbeitnehmer\u00e4hnlicher Kursleiter entsprechen sollte, d.h. \u00e4hnlich der eines Arbeitnehmers sein sollte und nicht dem von Kolleg*innen entsprechen sollte, die diesen Status nicht haben, da sie nur nebenberuflich an der VHS t\u00e4tig sind.&#8220;&nbsp;<\/p>\n<p>(Nr. 13, Dozent, 65+, &gt;40 Jahre an Volkshochschulen in Berlin t\u00e4tig, Programmbereich Fremdsprachen)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>+&#8220;Ich liebe meine T\u00e4tigkeit und f\u00fchre sie mit gro\u00dfer Leidenschaft aus. Meine gut gebuchten Kurse best\u00e4tigen, dass auch meinen Kursteilnehmer*innen Freude an meiner Arbeit haben. (&#8230;)<\/p>\n<p>Das ganze Ausma\u00df des unternehmerischen Risikos (Krankheit, Kursausf\u00e4lle usw.) trage ich trotz arbeitnehmer\u00e4hnlicher T\u00e4tigkeit gr\u00f6\u00dftenteils allein. Absicherungen wie Ausgleichzahlungen oder Arbeitslosengeld fehlen. F\u00fcr mich pers\u00f6nlich bedeutet das seit Jahren bei einer eigenen Erkrankung arbeiten bis zur Ersch\u00f6pfung, denn einen finanziellen Ausfall kann ich mir nicht leisten. Bei Erkrankung eines meiner Kinder habe ich Honorarausf\u00e4lle oder muss f\u00fcr kostenintensive Betreuung sorgen und kann mich selbst nicht um das erkrankte Kind k\u00fcmmern. Die Corona-Pandemie versch\u00e4rft die Situation nur, weil ich mit einer vielleicht harmlosen Erk\u00e4ltung gar nicht arbeiten darf bzw. mein Kind zuhause betreuen muss. Das bedeutet zus\u00e4tzlich Stress. Operationen sind ohnehin nur mit knappen Zeitfenstern oder w\u00e4hrend der Ferien planbar. Rehazeiten sind nie spontan und nur in meiner Freizeit m\u00f6glich.&#8220;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p>(Dozentin, Nr. 22, Programmbereich Kultur)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>+ &#8222;Jede Krankheit kann zu einem existenziellen Risiko werden, weil ich dadurch Kurse\/Honorarzahlungen verliere und ein Wiedereinstieg oder Reha- bzw. Reintegrationsma\u00dfnahmen weder gesichert noch vorgesehen sind. Zentrale Arbeitnehmer*innenrechte bleiben mir so verwehrt. Pers\u00f6nlich musste ich schon miterleben, wie ein allseits gesch\u00e4tzter Kollege aufgrund einer harmlosen, aber wiederkehrenden Erkrankung dauerhaft keine Honorarvertr\u00e4ge mehr erhielt. Vertretungen zu organisieren bringe den Betrieb durcheinander &#8230; Nat\u00fcrlich blicke ich da mit gro\u00dfer Sorge auf einen m\u00f6glichen eigenen Krankheitsfall und sp\u00fcre diese Unsicherheit immer wieder stark. Diese Situation greift nicht nur mich an, sondern wirkt tief auf mein Umfeld, z.B. auf meine pflegebed\u00fcrftige Mutter und andere Angeh\u00f6rige.&#8220;<\/p>\n<p>(Dozent, Nr. 26, seit 4 Jahren an der VHS, keine Angabe zum Programmbereich)&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>+ &#8222;Meine Arbeit begann mit der Jugendbildung, dann kam Alphabetisierung von jungen Erwachsenen und ich war in&nbsp; meiner ganzen Berufst\u00e4tigkeit am Aufbau von Grundbildungsangeboten engagiert t\u00e4tig, habe jahrelang Kurse im Kreativen Schreiben geleitet und Deutsch als Fremdsprache unterrichtet sowie sp\u00e4ter in Integrationskursen beziehungsweise Deutsch-Elternkursen.<\/p>\n<p>Die Arbeit ist stets inhaltlich interessant, abwechslungsreich und herausfordernd. So konnte ich jetzt zu Coronazeiten wichtige Informationen und Hilfestellung geben, incl. Ein\u00fcbung in Hygiene und Schutzma\u00dfnahmen in allen meinen Angeboten leisten. Dieser Aspekt der Lebenshilfe und sozialen Integration in der Arbeit an Volkshochschulen ist von unsch\u00e4tzbarem Wert. (&#8230;)&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p>Nach einer Z\u00e4sur 2018 wegen einer schweren Erkrankung geriet bei mir alles in Schieflage.Nur wegen der finanziellen Unterst\u00fctzung meines damals 90-j\u00e4hrigen Vaters habe ich das finanziell \u00fcberlebt.Als ich wieder einsteigen wollte, fiel mir der Bereich der Integrationskurse v\u00f6llig weg. In einem kl\u00e4renden Gespr\u00e4ch bot man mir Ersatz in einem anderen Bereich an. Das nahm ich auch an, aber ich komme nicht mehr auf das Stundenpotential von vor meiner Erkrankung. (&#8230;) Ich bekam von den festen Mitarbeitern&nbsp; Unterst\u00fctzung, doch jetzt seit Corona ist ein weiterer Bereich weggefallen.&#8220;<\/p>\n<p>(Dozentin Nr. 27, Frau, Grundbildung und DaZ, ca. 60, ca 30 Jahren an der VHS)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>+ &#8222;Seit einigen Jahren leide ich an einer erblich bedingten Erkrankung. Das macht viele gesundheitliche Probleme und .schr\u00e4nkt meine Leistungsf\u00e4higkeit um 50% ein. Da es f\u00fcr Honorardozenten wie mich keine ausreichende Zahlung w\u00e4hrend krankheitsbedingten Ausfalls gibt, gehe ich tapfer zur Arbeit &#8211; egal wie stark die Schmerzen sind. Mein Mann hat aufgrund seines ungekl\u00e4rten Status&#8216; als Fl\u00fcchtling keine Arbeitserlaubnis. Daher bin ich es, die allein die finanzielle Verantwortung f\u00fcr die Familie tr\u00e4gt. Wie lange meine Gesundheit mir noch erlaubt, zu arbeiten, h\u00e4ngt am seidenen Faden.&#8220;<\/p>\n<p>(DozentIn&nbsp; Nr. 32, DaF\/DaZ, w, ca. 50 Jahre, 3 Jahre bei der VHS)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong><u> THEMA Angst \/Prekariat\/ Willk\u00fcr<\/u><\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>+ &#8222;Wegen der coronabedingten Schlie\u00dfung und \u00dcberforderung der Mitarbeitenden an meiner VHS musste ich \u00fcber 6 Monate (!) auf Honorare warten, f\u00fcr die ich l\u00e4ngst die Leistung erbracht hatte. Auf Basis dieser Prekarit\u00e4t fu\u00dft der mangelnde Respekt mancher Direktor*innen und Verwaltungsangestellten f\u00fcr unsere finanzielle und (gerade in Pandemiezeiten!) gesundheitliche Sicherheit. Dabei gilt:je weniger Sorgen Kursleiter*innen selbst haben, desto geduldiger, kreativer und empathischer k\u00f6nnen sie sich den Lernenden widmen und die schwierige deutsche Grammatik erkl\u00e4ren.&#8220;&nbsp;<\/p>\n<p>(Dozent, Nr. 17)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>+ &#8222;Man lebt in st\u00e4ndiger Angst, die monatlich regelm\u00e4\u00dfig anfallenden Kosten nicht bezahlen zu k\u00f6nnen. Es ist nicht m\u00f6glich gen\u00fcgend Reserven zu schaffen, um sich privat ausreichend abzusichern. L\u00e4ngere Verdienstausf\u00e4lle durch nicht zustande kommende oder abgesagte Kurse oder l\u00e4ngere Krankheitsphasen k\u00f6nnen jederzeit zum kompletten sozialen Absturz f\u00fchren. (&#8230;)<\/p>\n<p>Trotz guter akademischer Ausbildung ist man weniger sozial abgesichert als die Teilnehmenden unserer Deutschkurse. Wir sollen Menschen in Deutschland integrieren und werden als DozentInnen vom eigenen Land von der ausreichenden sozialen Absicherung ausgeschlossen. Das ist eine v\u00f6llig absurde und frustrierende Situation und ein Armutszeugnis f\u00fcr einen angeblichen Sozialstaat. (&#8230;)<\/p>\n<p>Es reicht einfach nicht, dass uns die Dankbarkeit unserer TeilnehmerInnen ohne Zweifel entgegengebracht wird. (&#8230;)<\/p>\n<p>Unsere Selbstst\u00e4ndigkeit wird lediglich zur Abw\u00e4lzung des kompletten Risikos auf uns missbraucht. Man bekommt Angebote und kann diskussionslos zusagen oder auf noch schlechtere Arbeitsbedingungen bei anderen privaten Arbeitgebern ausweichen. (&#8230;) Da allen meinen KollegInnen und eben auch mir trotz aller widrigen Umst\u00e4nde unsere Aufgabe am Herzen liegt, wollen wir uns nicht nach einem anderen Bet\u00e4tigungsfeld erkundigen, sondern einfach nur daf\u00fcr k\u00e4mpfen, die Arbeitsbedingungen und vor allem die M\u00f6glichkeit der sozialen Absicherung f\u00fcr uns zu verbessern.&#8220;<\/p>\n<p>(Dozentin, Nr. 19, Daf\/Daz, viele Jahre an der VHS)<\/p>\n<p>+ &#8222;Das hei\u00dft f\u00fcr mich ganz pers\u00f6nlich, dass ich durch die <strong>Abh\u00e4ngigkeit<\/strong> von kurzfristigen Honorarvertr\u00e4gen t\u00e4glich von einzelnen Mitarbeitern abh\u00e4ngig bin und mich dadurch in einem Dauerzustand existenzieller Angst befinde. Ich kann jederzeit ohne Einkommen dastehen &#8211; trotz \u00e4u\u00dferst engagierter Pflege meiner selbstst\u00e4ndigen T\u00e4tigkeit. Dieser Dauerzustand existentieller Angst greift meine <strong>Gesundheit<\/strong> immer mehr an.&#8220;<\/p>\n<p>(Dozent, Nr. 23, Programmbereich Fremdsprachen, ca. 20 Jahre an der VHS)<\/p>\n<p><strong>+ &#8222;ARBEIT WEG<\/strong><\/p>\n<p>Obwohl ich seit knapp drei Jahren f\u00fcr die VHS arbeite, erhielt ich immer nur kurzfristige Honorarvertr\u00e4ge von wenigen Wochen und habe Mitte Dezember meine Arbeit verloren,<\/p>\n<p>weil unsere R\u00e4umlichkeiten unter Corona-Bedingungen zu wenige Kursteilnehmer*innen aufnehmen k\u00f6nnen, um den Vorgaben des Geldgebers zu gen\u00fcgen \u2013 ohne Ausgleichszahlung oder Arbeitslosengeld.&nbsp;<\/p>\n<p><strong>UNSICHERHEIT<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin alleinerziehend und lebe in st\u00e4ndiger Unsicherheit, ob der n\u00e4chste Kurs stattfindet oder nicht. Ich bin komplett vom Willen meines Programmbereichsleiters abh\u00e4ngig und egal, wie lange ich arbeite, gibt es keine Sicherheit oder Arbeitsrechte. In anderen Sparten muss nach 2 Jahren ein fester Arbeitsvertrag her, nicht jedoch hier! Andererseits m\u00f6chte die VHS auch nicht einen Tag vor Vertragsabschluss erfahren, dass ich den n\u00e4chsten Kurs nicht mehr geben werde.&#8220; (&#8230;)<\/p>\n<p><strong>UNGERECHTFERTIGTER VERDIENST TROTZ LANGEM STUDIUMS\/SCHWIERIGER ARBEIT<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe einen Masterabschluss und in K\u00fcrze einen zweiten, also 7 Jahre an einer Universit\u00e4t verbracht, und auch sehr gute Abschl\u00fcsse. Ich verdiene nach allen Abz\u00fcgen nach Berechnung einer Gewerkschaft weniger als eine Facharbeiterin, dabei m\u00fcsste ich eigentlich Tarifgruppe 13 erhalten, zumal die Bedingungen nicht die einfachsten sind. So wurde in meiner Gruppe neben den Klein- und Kleinstkindern unterrichtet, die einen hohen Ger\u00e4uschpegel verursachen und die w\u00e4hrend des Unterrichtes gestillt wurden.<\/p>\n<p>Die derzeitige Situation bedeutet f\u00fcr mich <strong>PERS\u00d6NLICH<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Ich bin wieder ganz und gar mit meinem Sohn beim Jobcenter, diesmal mit weniger Hoffnung auf eine neue Arbeit als zuvor (Corona).&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/li>\n<li>Ich&nbsp; muss arm sein oder einen Gutverdiener heiraten, bleibe somit immer von einem Mann abh\u00e4ngig.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/li>\n<li>Ich kann keinen Kredit aufnehmen, weder f\u00fcr ein kleines Auto noch f\u00fcr eine Wohnung, also auch keine solche Altersabsicherung betreiben oder mein t\u00e4gliches Leben erleichtern. Dies wiederum bedeutet, dass ich schon heute absehen kann, dass ich mein Leben lang beim Jobcenter bleibe, wenn ich nicht umsattle: eine f\u00fcr mich sehr bittere Erkenntnis.<\/li>\n<li>Ich werde den Staat noch ein drittes Studium kosten, das ich diesmal so ausw\u00e4hle, dass ich hinterher davon leben kann.&#8220;<\/li>\n<\/ul>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<p>Wir arbeiten genauso hart wie andere Lehrkr\u00e4fte (Lehramt an Schulen) und haben auch so lange studiert. Wer nachvollziehen kann, dass wir keine Drucksache, sondern Menschen mit echten Lebenswegen sind, ermisst sicher, wie wertvoll eine \u00c4nderung der Situation ist.<\/p>\n<p>(Dozentin Nr 31,&nbsp;DaZ, seit drei Jahren an der VHS)<\/p>\n<p>+ &#8222;Seit genau 30 Jahren begleitet mich die Angst vor Krankheit oder anderen Umst\u00e4nden des Nicht-Arbeiten-K\u00f6nnens, denn ich habe immer nur Honorarvertr\u00e4ge f\u00fcr einzelne Deutschkurse von jeweils 5&nbsp;oder 6 Wochen. Seit 30 Jahren arbeite ich zuverl\u00e4ssig aber ununterbrochen prek\u00e4r, ohne die M\u00f6glichkeit auf Arbeitslosengeld, K\u00fcndigungsschutz oder bezahlte Weiterbildung. Ich habe eine akademische Ausbildung und entsprechende Lizenzen f\u00fcr das BAMF, habe schon Generationen von Migranten Deutsch unterrichtet und ich finde, dass wir Dozent*innen mehr als einen unsicheren Hilfsjob verdient haben.&nbsp;<\/p>\n<p>Die Sprachvermittlung ist der erste und wichtigste Schritt f\u00fcr die Integration. Diese Arbeit wird staatlicherseits gewollt und von uns durchgef\u00fchrt. &#8220;<\/p>\n<p>(Dozentin Nr. 33, Frau \/ 60 + \/ seit 30 Jahren im Programmbereich DaF\/DaZ)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>+ &#8222;Im Januar 2020 wurde pl\u00f6tzlich eine neue Kursleiterin besch\u00e4ftigt. Ich habe nur mit M\u00fche die Kursanzahl f\u00fcr das Semester 2021 gehalten, aber f\u00fcr den Sommer weniger Kurse, als ich vorschlagen hatte. Andererseits wurden der neuen Kursleiterin unglaublich viele Kurse gegeben. Da w\u00e4chst meine Angst. Durch viele andere Erfahrungen mit meiner Programmleitung muss ich bef\u00fcrchten, dass sie mich wegen meines Alter nicht mag.&nbsp;<\/p>\n<p>Ich finde es auf jedem Fall ungerecht, wegen des Alters oder pers\u00f6nlichen Geschmacks oder des Aussehens in meiner sozialen und finanziellen Lage bedroht zu werden!&#8220;<\/p>\n<p>(Dozentin Nr. 35, Fremdsprachen, \u00fcber 50 Jahre)<\/p>\n<p>+ &#8222;Das hei\u00dft f\u00fcr mich ganz pers\u00f6nlich, dass ich in der Kursvergabe t\u00e4glich von einzelnen VHS-Mitarbeitern abh\u00e4ngig bin. Das Risiko eines ausgefallenen Kurses muss ich alleine tragen und zu einem Kursausfall kann es kurzfristig kommen. Dieser Zustand bedeutet f\u00fcr mich permanente Existenzangst und Dauerstress. Da das meine Gesundheit angreift, \u00fcberlege ich nun ernsthaft, ob ich diese Arbeit in Zukunft weiterhin ausf\u00fchren kann. Ich liebe diese Arbeit und versuche ihr mit Sorgfalt nachzukommen. Nur ungern w\u00fcrde ich sie aufgeben.&nbsp;<\/p>\n<p>Vor Jahren habe ich mit Enthusiasmus an der VHS zu lehren begonnen. Mit der Zeit aber konnte ich beobachten, wie der Einsatz sozial nicht abgesicherter Lehrkr\u00e4fte die Qualit\u00e4t der Erwachsenenbildung enorm mindert. (&#8230;)<\/p>\n<p>Wie gut k\u00f6nnte die Qualit\u00e4t der Erwachsenenbildung sein, wenn das Potential der ProtagonistInnen genutzt und sie nicht ausgebeutet w\u00fcrden.<\/p>\n<p>(Dozentin Nr 36 &#8211; Weiblich, 45+ Jahre, DaZ\/ Alphabethisierung, seit ca. 4 Jahren f\u00fcr die VHS)<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong> THEMA: Familie:&nbsp;<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>+ &#8222;Wenn Familie einen so hohen Stellenwert hat, wie es von der Politik propagiert wird, dann muss sich dies auch in der Praxis von arbeitnehmer\u00e4hnlichen Freiberuflern widerspiegeln. Auch wir sollten uns um unsere Babys k\u00fcmmern k\u00f6nnen, ohne Angst haben zu m\u00fcssen, nach einer Babypause unser Stundenkontingent nicht wiederzubekommen. Und wir sollten nicht darum betteln m\u00fcssen, sondern einen Anspruch darauf haben.&#8220;<\/p>\n<p>(Dozent, Nr. 3; Mann, Anfang 40, seit 5 Jahren an der VHS, DaZ&nbsp;<\/p>\n<p>+ &#8222;Ich habe zwei kleine Kinder (1 und 2 Jahre alt). Wie soll ich meine Familie ern\u00e4hren und unsere Miete zahlen, wenn das Einkommen pl\u00f6tzlich wegf\u00e4llt? Ist das der Dank daf\u00fcr, dass ich und viele meiner Kolleginnen viele Jahre studiert haben? Das vermitteln der Sprache und Kultur ist ein wichtiger Schl\u00fcssel zur Integration in unserer Gesellschaft.&#8220;&nbsp;<\/p>\n<p>(Dozentin, Nr. 10, DaZ, seit ca. 14 Jahren an der VHS)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>+&#8220;Seit 2,5 Jahren bin ich alleinerziehende Mutter, was die Situation nur noch verschlimmert hat. Zuerst konnte ich nur in sehr eingeschr\u00e4nktem Stundenumfang arbeiten, weil es keinen Kita-Platz f\u00fcr meine Tochter gab. Als sie mit 1,5 Jahren endlich einen Kita-Platz hatte, gab es f\u00fcr mich kein Arbeitsangebot zu Zeiten, die durch die Kita-\u00d6ffnungszeiten abgedeckt wurden.<\/p>\n<p>Mittlerweile unterrichte ich einen Vormittags- und einen Abendkurs. F\u00fcr den Abendkurs bezahle ich den Babysitter selbst. Ich opfere also gut 20%&nbsp;(teilweise mehr) meines Honorars,&nbsp; um im Gesch\u00e4ft bleiben zu k\u00f6nnen. Das gleiche gilt f\u00fcr meine Pr\u00fcfert\u00e4tigkeit am Wochenende f\u00fcr den Deutsch-Test f\u00fcr Zuwanderer. Die M\u00f6glichkeit, die erg\u00e4nzende Kindertagespflege mit der entsprechenden Finanzierung \u00fcber das Jugendamt in Anspruch zu nehmen, ist bisher an der absurden B\u00fcrokratie, die dahintersteckt, gescheitert. So ist das mit vielen der existierenden sogenannten \u201aHilfen\u2018 f\u00fcr Alleinerziehende.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus ist es schon schwierig als Honorarkraft l\u00e4nger als ein paar Tage krank zu sein. Die Situation versch\u00e4rft sich allerdings drastisch, wenn man zus\u00e4tzlich zu den eigenen Krankheitstagen wegen eines kranken Kindes zu Hause bleiben muss. (&#8230;) Durch die derzeitige Pandemie hat sich die Lage noch weiter zugespitzt, da die Kinder mit Erk\u00e4ltungssymptomen sofort der Kita fernbleiben m\u00fcssen.&#8220;<\/p>\n<p>(Dozentin, alleinerziehend, Nr. 24, Daf\/DaZ, seit ca. 5 Jahren an der VHS)<\/p>\n<p>+ &#8222;Als meine Mutter nach einem schweren Verkehrsunfall schwer pflegebed\u00fcrftig wurde, hatte ich keinen Anspruch auf Pflegezeit, um die h\u00e4usliche Betreuung zu organisieren. Ich musste eine unbezahlte Auszeit nehmen und zittern, danach wieder Vertr\u00e4ge an der VHS zu bekommen. Ich hatte Gl\u00fcck mit meiner Programmbereichsleitung, die Verst\u00e4ndnis zeigte und mich anschlie\u00dfend weiterbesch\u00e4ftigte. Ich wei\u00df aber von anderen Kolleg*innen, denen an ihrer VHS gesagt wurde,aus organisatorischen Gr\u00fcnden sei das leider nicht m\u00f6glich.&#8220;<\/p>\n<p>(Dozentin Nr, 35, Daf\/DaZ, seit ca. 6 Jahren an der VHS, ca. 50 Jahre)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die folgenden O-T\u00f6ne als PDF zum Download &nbsp; Aktion Soziale Absicherung f\u00fcr VHS-Dozent*innen 1\/2021 \u00d6-T\u00f6ne: Nutzung f\u00fcr Soziale Medien und PE Die folgenden Zitate stammen nur von arbeitnehmer\u00e4hnlichen Berliner VHS-Dozent*innen, die von dieser Arbeit haupts\u00e4chlich leben. Wir widmen uns in der Aktion &#8222;Soziale Absicherung f\u00fcr VHS-Dozent*innen&#8220; drei Themen Krankheit Prek\u00e4re Besch\u00e4ftigung\/ Angst\/ Willk\u00fcr Familie Das\u2026 <span class=\"read-more\"><a href=\"https:\/\/www.vhs-tarifvertrag.de\/wordpress\/?p=1745\">Weiterlesen &raquo;<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[14,17],"tags":[],"class_list":["post-1745","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktion-soziale-absicherung","category-aktuelles"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.vhs-tarifvertrag.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1745","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.vhs-tarifvertrag.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.vhs-tarifvertrag.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vhs-tarifvertrag.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vhs-tarifvertrag.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1745"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.vhs-tarifvertrag.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1745\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1818,"href":"https:\/\/www.vhs-tarifvertrag.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1745\/revisions\/1818"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.vhs-tarifvertrag.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1745"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vhs-tarifvertrag.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1745"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vhs-tarifvertrag.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1745"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}